Goethewanderweg

»... ich habe mich gestern herausgeflüchtet, bin um halb Sechs zu Fuß von Weimar abmarschiert und war halb zehn schon hier, da alles schon verschlossen war und sich zum Bettgehen bereitete...«


Diese Zeilen schrieb Johann Wolfgang von Goethe am 12.Juli 1777 in Kochberg an die verehrte Freundin Charlotte von Stein. Von 1775 bis 1788 eilte der junge Dichter oft zum Schloß »hinter den Bergen«. Für die Strecke benötigte er nach eigenen Angaben zweieinhalb Stunden zu Pferde.


Schon vor Jahren suchte eine Jenaer Wandergruppe, die Berggemeinschaft Landgrafen e.V., nach der kürzesten Verbindung, die Goethe zwischen Weimar und Schloß Kochberg gewählt haben könnte. Folgen wir seinen Spuren. Der 28 Kilometer lange Weg, der mit einem großen weißen »G« auf grünem Hintergrund gekennzeichnet wurde, führt von Weimar bzw. Kochberg aus durch Nadelwälder, durch kleine Dörfer, vorbei an einladenden Ruhebänken und Rastplätzen.


Die Wanderung auf Goethes Spuren beginnt in Weimar am Wielandplatz, über den auch Goethe von seinem Haus am Frauenplan aus in Richtung Großkochberg gegangen sein dürfte.


Im »Goethehaus« hat der Dichter von 1782 bis zu seinem Tode im Jahr 1832 gelebt. Der Weg führt über die Amalien- und Rainer-Maria-Rilke-Straße zum Gehädrich am Stadtrand von Weimar und weiter in Richtung Vollersroda. Weiter geht es an der Balsamine vorbei, wo sich vom Hang aus ein herrlicher Blick in das mittlere Ilmtal bietet. Bergab gelangt man dann nach Buchfart, einer landschaftlich idyllisch gelegenen Gemeinde. Sehenswert sind die überdachte Holzbrücke über die llm (1818), die Kirche mit dem wertvollen Flügelaltar (letzterer von 1492) und die Felsenburg mit 15 in den Fels eingehauenen Kammern, die vermutlich noch im 12. Jahrhundert bewohnt waren. Wegen absturzgefährdeter Felspartien ist sie zur Zeit gesperrt. Nächster Ort ist Saalborn. 1280 erstmalig erwähnt. Das Dorf hinter sich lassend, verläuft der Weg zunächst ein Stück auf der Straße B 85 entlang, bevor er im Dammbachsgrund in einen Waldweg einmündet. An den »Rasenbänken« geht es vorbei in Richtung Schwarza, südwestlich von Blankenhain gelegen im Tal des gleichnamigen Flüßchens. Von dort aus führt der Weg weiter nach Hochdorf, 1143 erstmalig erwähnt. Nördlich des Ortes lagerte im Oktober 1806 die preußische Armee, bevor sie zur Schlacht von Jena und Auerstedt zog. Über die wasserarme Hochebene geht es zum Nachbarort Neckeroda, ein in Ansätzen noch als solches erkennbares Rundangerdorf das 1285 erstmals urkundlich erwähnt wurde. Eine doppelte Wallanlage, die das Dorf von drei Seiten umschließt, blieb größtenteils erhalten. Gebietstypisches Brauchtum wird durch die »Spinnstube« Neckeroda gepflegt.
Auf dem letzten Abschnitt des Wanderweges nach Großkochberg bietet sich die Möglichkeit, auch den Luisenturm, der Luise von Stein - Enkeltochter der Charlotte von Stein - gewidmet ist, zu besuchen. Das Schloß Kochberg, ein Kleinod Thüringens, war Landsitz des Oberstallmeisters Josias von Stein und seiner Frau Charlotte. Zeitzeugen unschätzbaren Wertes jener Epoche, in der Johann Wolfgang von Goethe und bedeutende Persönlichkeiten des klassischen Weimars oft zu Gast waren, sind im Museum des Schlosses aufbewahrt. Auch das Liebhabertheater, in dem regelmäßig Aufführungen stattfinden, ist einzigartig in Deutschland. In dem nördlich vom Schloß liegenden, etwa 6 ha großen Landschaftspark findet der Wanderer zu jeder Jahreszeit ein ruhiges Plätzchen zum Verweilen. Viele Fachwerkbauten prägen das Gesicht des »alten Kochberg hinter den Bergen«. Darüber hinaus tragen auch Reittouristik, eine Kegelbahn und das idyllisch gelegene Freibad oberhalb des Schloßparkes zu einem erlebnisreichen Aufenthalt bei.